Kampa vor der Pleite – Antrag auf Insolvenz
Fertighaus-Bauer stellt Zahlungen ein / Finanzinvestor Triton offenbar mit Latein am Ende / “Ein Riesentrauerspiel”
Minden (mt). Der traditionsreiche Mindener Fertighaus-Hersteller Kampa steht vor dem Aus. “Die Kampa AG und ihre Tochtergesellschaften sind zahlungsunfähig und haben ihre Zahlungen eingestellt”, teilte die Kampa AG gestern kurz und knapp in einer vierzeiligen Ad-hoc-Mitteilung mit.
Von Thomas Traue
Die Unternehmensspitze war gestern auf MT-Anfrage nicht zu einer weiteren Stellungnahme bereit. “Der Vorstand bereitet gerade den Insolvenzantrag für die AG und ihre Tochtergesellschaften vor und wird keinen weiteren Kommentar abgeben”, hieß es im Vorstandssekretariat unter Verweis auf die schmale Drei-Satz-Ankündigung zur drohenden Pleite. “Ob einzelne Konzerngesellschaften vom Insolvenzantrag ausgenommen werden können, wird derzeit noch geprüft”, endet die Pflichtmitteilung. Das Antragsschreiben sollte noch im Laufe des Mittwochs beim Amtsgericht eingereicht werden.
Zwar hatte das Management noch kürzlich Zuversicht verbreitet. Doch das langsame Sterben in Raten der einst von Wilfried Kampa in Minden-Dützen aufgebauten Gruppe, die der heimische Familienunternehmer und Mehrheitsaktionär in den 80er-Jahren an die Börse brachte und Ende 2006 für rund 38 Millionen Euro mehrheitlich an den Finanzinvestor Triton veräußerte, zeichnete sich zuletzt mit tiefroten Zahlen und einem schnell drehenden Personalkarussell an der Spitze immer deutlicher ab (wir berichteten).
“Das Ganze ist ein Riesentrauerspiel”, kommentiert der frühere Vorstandsvorsitzende und Ex-Aufsichtsrat Dr. Bernd F. Pelz, der Kampa vor Jahren nach einer Krise wieder auf profitablen Kurs gebracht hatte, die Entwicklung. “Dieser Investor war noch nicht einmal in der Lage, die Zahlen richtig zu lesen”, übt Pelz harsche Kritik an der “naiven Strategie” des Managements und am Kontrollgremium.
“Die haben Geld verbrannt wie Heu”
“Die haben Geld verbrannt wie Heu. Das muss doch der Aufsichtsrat sehen”, spricht Pelz von “jugendlichem Leichtsinn” bei Triton. Größter Fehler sei die Ungeduld des Investors gewesen, kritisiert Pelz die Schnelligkeit, mit der die Organisation des Unternehmens zerschlagen wurde. “Die haben alles auf einmal angepackt: Fünf Marken abgeschafft, drei Werke geschlossen und 250 Leute, darunter auch viele erfahrene Führungskräfte, rausgekegelt.” Das konnte, so Pelz, auf Dauer nicht gutgehen.
Rückblick: Im November 2007, gut ein Jahr nach der Kampa-Übernahme durch das schwedische Private-Equity-Unternehmen Triton, einer Tochter der Investorengruppe PFH Holding, hatte der größte deutsche Fertighausbauer drei der insgesamt sechs Werke dicht gemacht – darunter auch die Produktionsstätte im Mindener Mutterhaus. Rund 230 der damals noch 950 Konzern-Beschäftigten, darunter 130 Mitarbeiter in Dützen, wurden entlassen und die Fertigung auf die beiden Standorte im schwäbischen Steinheim und Ziesar in Brandenburg konzentriert. Lautstark machten die Mindener Beschäftigten seinerzeit ihre Wut über die “Heuschrecken” in Kundgebungen Luft.
Knapp 30 Millionen Verlust für 2008 erwartet
Für den Investor, der seine Anteile von anfangs 55 Prozent kontinuierlich auf aktuell gut 75 Prozent erhöhte, häuften sich nach zweistelligen Millionen-Verlusten in 2007 trotz eines harten Sanierungskurses die Hiobsbotschaften. Umsatz- und Ergebnisprognosen für 2008 mussten vom Vorstand ständig nach unten korrigiert werden. Die angeschlagene Kampa AG werde mehr und mehr ein Fass ohne Boden, titelte etwa die Börsenzeitung. Die Aktie stürzte seit dem Triton-Einstieg von sieben Euro auf zuletzt 1,70 Euro ab. An der Börse Düsseldorf war das Papier gestern zeitweise nur noch 10 Cent wert.
Erstmals im November vergangenen Jahres war von einem nicht näher bezifferten “Fehlbetrag” die Rede. Gleichwohl sah der vor wenigen Wochen geschasste Vorstandssprecher Markus Schreyögg zu diesem Zeitpunkt “die Rückkehr in die Gewinnzone nicht gefährdet”. Für 2009 gehe Kampa, so Schreyögg damals gegenüber dieser Zeitung, von einem “nachhaltig positiven Ergebnis” aus.
Im Februar dieses Jahres schließlich das Eingeständnis einer Liquiditätsklemme: ein Verlust von knapp 30 Millionen Euro prognostizierte der von Triton installierte Vorstand für 2008 und räumte ein, dass mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt sei. Auf einer für den 20. März einberufenen außerordentlichen Hauptversammlung sollte deshalb über eine Kapitalerhöhung abgestimmt werden.
Dazu kommt es nach dem Insolvenzantrag vermutlich nun nicht mehr. Triton hat offenkundig die Reißleine gezogen. Der Investor ist beim Hausbau-Konzern mit seinem Latein am Ende und war wohl nicht mehr bereit, weiter frisches Geld in das Kampa-Fass zu pumpen.
Erst Anfang März neuen Vorstand berufen
Zur prekären Finanzlage gesellten sich personelle Turbulenzen. Anfang März wurden Schreyögg, der im Mai 2008 die Nachfolge von Elmar Schmidt angetreten hatte, sowie Finanzvorstand Rolf Baresel “gefeuert”. Als einziger aus dem bisherigen Führungstrio verblieb Josef Haas im Vorstand. Zudem wurde der “Neuling” Hansjörg Plaggemars – erst seit Jahresbeginn bei Kampa – in den Vorstand berufen.
Mindener Tagblatt vom 12.03.2009
Dieser Artikel bringt es wohl auf den Punkt was bei Kampa in der letzten Zeit gelaufen ist.
Mal sehen wie es weitergeht bei Kampa
Hoffenlich kommt man noch mit einem blauen Auge davon.